Dienstag, 8. Juli 2014

Eltern und der Kommunikationswahn

Kürzlich schrieb ein Freund über die Eigenheiten von Eltern, deren Neigung von ihren Minis in sämtlichen Einzelheiten zu berichten und dem damit einhergehenden Tunnelblick auf ihre Gesprächspartner. Tragisch kann ein solches Gespräch dann werden, wenn eben jenes Gegenüber selbst keine Kinder hat. Der Redepartner wird eventuell nicht mehr zum Partner und klingt sich gedanklich aus, ist manchmal entnervt. Ich kommentierte den Blog Artikel mit den Worten dass Menschen im Allgemeinen und Eltern im Speziellen nun einmal so seien. Soll heißen, dass jeder auf irgendeine Art kommunikativ ist und gerne von sich bzw. seinem "Steckenpferd" berichtet. Kinder eingeschlossen. Es ist doch immer das Persönliche, das was einen gerade im Moment freut, belastet, auslastet. Und dieses teilt der Mensch an sich gerne mit anderen. Manchmal/oft in bestimmten Lebenslagen ohne Rücksicht.
Um aber trotzdem eine Lanze für die "Genervtheit" bei eben jenen Gesprächspartnern zu brechen... Mir ging es ja genauso. Es hat mich nicht im Geringsten interessiert wann ein Kind von irgendwem krabbeln, lachen etc. konnte (Heute weiß ich natürlich dass sie erst lachen und dann krabbeln... falls nicht... arme Eltern). Ich wollte mich auch gar nicht großartig damit befassen. Weshalb auch? Was war ich gestresst als plötzlich alle um mich herum mit den Babys loslegten. Denn ab diesem Zeitpunkt gab es die Freundin nur noch mit Würmchen. Nicht mal in der Schwangerschaft habe ich mich mit übermäßigen Informationen versorgt. Ich versuchte mir wohl einzureden dass ich nur dann so bleiben kann wie ich war, wenn ich eben alles "Unnötige" ausblende. War rückblickend ein Fehler. Ohne darauf eingehen zu wollen denke ich mittlerweile dass mir ein bisschen mehr Interesse an meiner Baby-Umwelt von damals hätte helfen können. Es hätte mir den Einstieg leichter gemacht. Trotzdem verstehe ich ihn so sehr. Auch heute mit Kind ist es so, dass ich manche Einzelheiten anderer Minis nicht hören will.

Eine andere Lanze muss ich an dieser Stelle aber trotzdem noch brechen. Die für die Mutter, die möglichst alles über ihr Kind erzählen will, weil sie einfach stolz ist, manchmal aber auch verzweifelt und Trost braucht. Die für den Vater, der die standardmäßige Elternzeit von zwei Monaten nimmt. Natürlich wäre es wünschenswert wenn da noch mehr ginge. Tut es manchmal aber einfach nicht und unser Staat und die Arbeitgeber sind noch meilenweit davon entfernt, dass günstigere Bedingungen in Sicht wären.

Kurzum: Ich kenne beide Seite zu Genüge. Von Jeder trage ich etwas mit mir herum. Jeden Tag aufs Neue.


Anmerkung von der 100% Mama in mir: Ich selbst kann schrecklich sein wenn ich vor Stolz und Liebe über Missy platze...

Kommentare:

Niels hat gesagt…

Gerade zu Deinem Punkt mit der Elternzeit muss ich jetzt doch noch einmal für meinen Blogeintrag in den Ring steigen. :-)

Ich habe hier ein bisschen das Gefühl, dass auf Staat und günstigere Bedingungen gewartet wird. Eine Veränderung ist immer ein Kampf gegen den Status Quo und Veränderung bedeutet immer eine Kraftanstrengung, weil der Mensch ein faules und furchtbar bequemes Tier ist, das genau wie das System dort bleiben will, wo man sich eingerichtet hat. Dass das natürlich unter konservativen Regierungen noch schwieriger ist, für die alles Neue der Feind ist und die ,,konservieren'' wollen – also gerade nicht ändern! – ist eine andere Geschichte. Durch Warten hat sich jedenfalls noch nie etwas geändert.

Natürlich kann jeder so viel (oder so wenig) Elternzeit nehmen wie er möchte. Dass es aber ,,einfach nicht geht'' ist falsch. Es geht immer! Das ist nur manchmal mit (beruflichen) Konsequenzen verbunden. Doch wenn jemand sagt ,,das geht nicht'', dann ist das eine Entscheidung, die dieser Jemand getroffen hat: Eine Entscheidung gegen die Elternzeit und für das Andere (das der Beruf sein kann). ,,Es geht nicht'' heißt eigentlich ,,es ist mir nicht wichtig genug''.

Und genau das sind die alten Ansichten, die ich erwähne: Beruf ist für den Mann wichtiger als Erziehung. Denn für die Erziehung ist das Heimchen am Herd verantwortlich. Das ist die Welt meiner Großeltern. Und das ist okay, wenn diese Entscheidung bewusst getroffen wird.
Wenn solche Väter dann aber sagen, sie seien modern und emanzipierte, dann halte ich entschieden dagegen. Denn das stimmt nicht. Diesen Vätern ist das Berufliche wichtiger.

Angie hat gesagt…

Ich gebe dir natürlich recht, gerade als "moderne Mutter" die neben dem Kind und Haushalt (wie du es so schmeichelhaft "Heimchen" nennst) auch arbeiten geht. Zwar "nur" Teilzeit aber das bewusst. Eben wegen meiner Missy.
Und natürlich geht es immer wenn man es nur will und natürlich sollte sich keiner mit dem Warten auf spontane Veränderung der allgemeinen Beschaffenheiten zufrieden geben. Aber mein lieber Niels. ohne mich auf irgendeine Klischee-Seite stellen zu wollen. Irgendwer muss arbeiten gehen. Irgendwer muss sich um das Kind kümmern. In den seltensten Fällen sind das beide Eltern zur gleichen Zeit. Dein ehemaliger Kollege geht auch arbeiten, kümmert sich aber trotzdem wo er kann um sein Mäuschen. Moderne Partnerschaft hin oder her, gemeinsame Elternzeiten hin oder her... es wird immer jeder für sich seine Rolle haben/finden. Die Frage ist nur wie man gemeinsam damit umgeht. Und mit dem Kind ;-) Und glaube mir, du wirst es demnächst vielleicht wieder anders sehen. Und dann wirst du den Spruch "Wenn ich Fragen in Kinderangelegenheiten habe, frage ich am besten Leute die keine haben. Die wissen es immer besser" lieben zu deuten wissen.
Bis dahin die besten Grüße

P.S.: Man liest so wunderbar den ehemaligen Marburger in dir

Niels hat gesagt…

Nein, ich nenne nicht diejenige Heimchen, die nebenbei arbeiten geht. Versteh mich nicht falsch, das halte ich für modern. Aber wenn Du von hier an die südlichen Münchner Seen schaust, siehst du genau diese Heimchen, modern angezogen mit einem SUV, den der erfolgreiche, vielleicht bei BMW arbeitende Mann ermöglicht. Oder eben Geldadel. :)

Klar ,,muss'' man arbeiten gehen. Und natürlich ist es finanziell attraktiver, wenn einer karrieretechnisch durchstartet. Modern ist das nicht. Das ist doch alles, was ich sage. :)

Und viele müssen wirklich viel arbeiten gehen. Immerhin will man ja ein Haus bauen, hat vielleicht eine Leasingrate am Bein... auch das sind getroffene Entscheidungen die auf einem Mindset basieren, das alt ist oder eben konservativ. Sicherheit eben, das Statussymbol mit dem Stern in der Einfahrt.

Das fällt mir auf, wenn ich mich so umschaue, im Kollegenkreis, unten am See und wenn ich mich mit Leuten unterhalten. Dann tritt diese Einstellung/dieses Mindset zu Tage.

Ich weiß nicht, ob es sich durchsetzt, weil es die vernünftigste Lösung ist. Möglicherweise.
Ich sage ja nur: Emanzipiert sind ,,wir'' nicht.

Angie hat gesagt…

Zu deinen Heimchen: Es gehört der Hut gezogen wenn eine Frau sich bewusst gegen das Arbeiten mit Kind entscheidet. Denn "nur" zu Hause mit Kind kann auch ein ganz schöner Knochenjob sein. Kennst du einen Mann der sich das zutrauen würde? Frag es dich selbst noch mal in einem halben Jahr... Und warum sollten dann eben jene "Geldadel"-Frauen nicht Café in der Hand im teuren Buggy vor die Tür gehen? Oft ist Frau froh mal raus zu kommen. Oft will Frau nebenbei bemerkt auch gar nicht die 100% Verantwortung für ihr Kind an den Mann abgeben. Liegt aber in der Natur des Mutterseins.

Niels hat gesagt…

Dagegen sage ich ja nichts.
Nein, nur wenige Männer machen das. Und warum?
Weil wir nicht soweit sind, das alles Emanzipation zu nennen. Got my point?

Das sind alles alte Rollenbilder.
Es gibt wenig Gründe, warum ein Mann nicht auch prinzipiell in der Lage sein könnte, ein ,,Heim am Herd'' zu sein. Allein: ,,Wir'' wollen das nicht.

Und was in der Natur der Mutter liegt, liegt vielleicht auch in der Natur der Väter.
Aber ich sagte ja: Veränderung erfordert Umdenken, Anstrengung und manchmal auch Schmerz.

Angie hat gesagt…

Vom Prinzip eine löbliche Einstellung... wenn du es auch schaffst sie umzusetzen, sprich den Worten Taten folgen zu lassen... Dann, ja dann zeichnet dich das aus. Und du wirst der Held aller Mamas. Für dein Kind sowieso :-)