Freitag, 18. Oktober 2013

„Schüss, arbeithän!“


Dass das Töchterchen mir ja um einiges voraus ist was Neuerungen betrifft hatte ich ja hier schon mal am Rande erwähnt. Dass ich aber nach knapp drei Monaten Tagesmama morgens nicht mehr wirklich gebraucht werde habe ich - schmerzlich - vor ein paar Tagen erfahren.
Ich bringe little Missy also wie gewohnt zu Frau M.. Sie besteht darauf („NEIN, leine“) sowohl in als auch aus dem Aufzug zu rennen und zwar „neller“. Solche Späße wie die Hand geben ist nicht „in“ bei ihr. Naja, kommt vielleicht noch denken der Informatiker und ich uns immer (und das wahrscheinlich bis sie irgendwann auszieht). Sie flitzt also aus dem Aufzug heraus und wird schon von Frau M. und den anderen Kindern empfangen und freudig begrüßt. Ich gehe mit in den Flur der Wohnung, gebe ihre Tasche ab und wechsle noch ein paar Worte mit der Tagesmama. Gehört sich ja so. Steht sicher in irgendeinem schlauen Mama-Buch. Garantiert! In der Zwischenzeit schnappt sich Missy sowohl ein Stück Apfel, was sie zu Hause selten tut es sei denn es ist mit Keks-Geschmack, und stürzt sich in den Haufen Spielzeug. Innerhalb von Sekunden ist sie darin verschwunden und ich überlege noch ob die Tagesmama einen Suchhund hat, der sie später wieder ausgräbt, als sie ihren Kopf aus Lego, einer Kindersackkarre und 300 Puppen heraussteckt und mich abwartend ansieht. Ich, die immer noch im Gespräch ist, schaue sie kurz an und rede dann weiter, getreu dem Gesprächsleitfaden des Mama-Handbuchs. Da befreit sie sich und kommt auf mich zu, bleibt vor mir stehen und winkt. Als sie merkt dass ich nicht zurückwinke sieht sie mich regelrecht eindringlich an und sagt: „Schüss, arbeithän!“. Anschließend winkt sie wieder und erinnert mich dabei erneut dass ich bitte mal Geld verdienen gehen soll. Die Tagesmama zuckt mit den Schultern und kann sich ein Schmunzeln nicht mal ansatzweise verkneifen. Ich verabschiede mich also von meiner Missy und frage nach einem Abschiedküsschen. Das bekomme ich nicht und auch eine Umarmung bleibt mir verwehrt. Im Gegenteil, denn sie nutzt die Gelegenheit dass ich bereits auf der Türschwelle stehe und drückt ihre kleinen Arme gegen meine Beine und macht selbiges dann mit der Tür.

So stehe ich also vor einer Tür die mir meine eigene Tochter vor der Nase zugedrückt hat. Und ich würde lügen wenn ich behaupten würde dass ich in diesem Moment nicht etwas im Auge hatte...

Kommentare:

Angelika hat gesagt…

Hallo Angie, schön geschrieben. Ich kann gut verstehen, dass ein kleines Tränchen im Auge war. Aber - die Mutter kann so schnell nichts ersetzen. LG

Angie hat gesagt…

Hallo Angelika, danke :-)