Posts mit dem Label Nachdenken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nachdenken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. Juli 2015

Auf der Suche nach dem Glück - Teil 3: Das Glück der Anderen

Im letzen Posting schrieb ich von Fragen die ich verschiedenen Freunden und Bekannten zukommen ließ. Heute stelle ich zwei dieser Beantwortungen vor. Zwei liebe Freundinnen standen mir Rede und Antwort zu den folgenden Fragen ihr Glück betreffend:

  1. Was hat dich heute glücklich gemacht?
  2. Welche Menschen sind dir wichtig/wer macht dich glücklich?
  3. Wann warst du das letzte Mal unglücklich und warum?
  4. Was hat dir dabei geholfen wieder fröhlicher/glücklicher zu sein?
  5. Kannst du von dir sagen, dass du ein glücklicher Mensch bist? Warum?
  6. Was ist deine persönliche Definition von Glück“


R. antwortete:

Zu 1. Als meine Jungs (3 1/2 Jahre und 1 Jahr) sich heute ihr Essen gemeinsam geteilt und sich beide darüber laut gefreut und angelacht haben. Sie hatten sichtlich Spaß zu zweit zu essen und sich gegenseitig zu füttern. Dieser Moment hat mich heute ganz besonders glücklich gemacht, denn die Eifersucht war  vergessen und ich habe gedacht: "Ja, Du hast wohl doch alles zwischen den beiden Richtig gemacht." 
Es ist unbeschreiblich schön zu sehen, dass sich die beiden  auch sehr gut verstehen können. Ich muss noch etwas ergänzen, denn während ich hier schreibe habe ich Nachricht von meiner Familie aus Syrien erhalten. Ja, jetzt bin ich unendlich glücklich.   
 Zu 2. Meine Familie und Freunde, aber auch Hilfsbedürftige. Mich macht es  glücklich, wenn ich jemanden helfen konnte (es können auch mir völlig Fremde sein) und dafür ein kleines Lächeln bekomme. 
 Zu 3 und zu 4. Vorgestern war ich ziemlich unglücklich, weil ich mich nicht mehr beherrschen konnte und völlig ausgeflippt bin. Mich hat es tief getroffen und auch sehr erschreckt, dass mich mein Ältester (3 1/2Jahre) so auf die Palme bringen konnte, dass ich mich für einen Monent ganz vergessen habe. Ich war und  bin inmer noch über meine Reaktion sehr unglücklich. Was mir aber geholfen hat, ist das Gespräch mit Freunden und vor allem die Reaktion meines Mannes, der sehr verständnisvoll ist und mich einfach in den Arm genommen hat.   
Zu 5. Ja, ich bin ein glücklicher Mensch! Denn ich habe einen liebevollen Mann, zwei gesunde Kinder, Habe viele liebe Menschen um mich herum, meinen Eltern, Brüdern und meiner restlichen Familie geht es gut. Ich habe tolle Freunde und lebe in Freiheit und Frieden und kann mich über das Leben freuen. Und ich bekomme jeden Tag von meinem Sohn mindestens eine Blume geschenkt    
Zu 6. Glück ist, wenn man anderen eine Freude machen und sich selbst über Kleinigkeiten freuen kann. Wenn Dich keiner und nichts glücklich macht, dann liegt es daran, dass Du niemanden glücklich machst. Denn das Glück liegt oft nur in einer kleinen Geste - einem Lächeln.

Assunta antwortete:
 
  1. Ein Eiscafé mit viel Sahne
  2. Meine Kinder sind mir sehr wichtig und meine Freunde machen mich glücklich.
  3. Im meinem Leben gibt es immer Momente, in dem ich unglücklich bin. Aber wenn ich nach den Grund suche, finde ich keinen….allgemeine Unzufriedenheit.
  4. Das Sprechen mit meiner besten Freundin…sie ist Balsam für meine Seele.
  5. Von außen gesehen, sollte ich ein glücklicher Mensch sein, aber ich bin es nicht….warum??? Es wäre schön das zu wissen…
  6. Ich glaube Glück kann man nicht definieren. Es ist ein Augenblick, eine Situation…oder nur das Bewusstsein, dass jeder Tag, der anfängt voller toller Überraschungen sein kann…

Liebe R., liebe Assunta, vielen Dank für die sehr ehrlichen und schönen Antworten. Ich bin sehr froh euch beide kennengelernt zu haben. Das sage ich euch, fürchte ich, viel zu selten. Fühlt euch gedrückt.



Dienstag, 28. Juli 2015

Auf der Suche nach dem Glück - Teil 2: Glück ist einfach Glück

Als Grundschullehrerin kann man ja viele schöne Sachen machen. So zum Beispiel dem Kunstunterricht einen Klecks Philosphie verpassen. So geschehen am vergangenen Freitag. Ziel war es, dass die Schüler ein Kleeblattbild mit Wasserfarben malen. Auf jedem dieser Kleeblätter sollten persönlcueh Glücksvorstellungen verewigt werden. Den Stundeneintieg machte eine Mind Map an der Tafel. Mittig schrieb ich "Glück" an und gab die Kreide an die Kinder ab. Nach anfänglichem Zögern und Schulterzucken bekam das Ganze einen Eigenantrieb und schließlich sprudelte es nur aus ihnen raus. Das Ergebnis (die komplette Tafel war beschrieben, hier nur ein Ausschnitt) sah so aus:
Die Kinder zeigten sich zufrieden mit ihren Ergebnissen und gestalteten anschließend tolle Bilder. Ich selbst fand es sehr interessant was Grundschulkinder mit Glück verbinden.
Am meisten berührte mich allerdings ein Satz, den ein Junge zu mir sagte: Na Frau S., das ist doch alles nicht so kompliziert.  
Glück ist einfach Glück.

Und darüber denke ich immer noch nach...

Donnerstag, 23. Juli 2015

Auf der Suche nach DEM Glück - Teil 1: Der Anfang

Immer wieder treibt es mich an, mal mehr und mal weniger impulsiv: Die Frage was wirklich, schlussendlich und definitiv "Glück" ist. Kürzlich musste ich mir die Frage wieder stellen, denn ich hatte bei einem Arzt das folgende Gespräch:
"Sind sie denn glücklich?"
"Ich bin meistens zufrieden, ja."
"Nein nicht zufrieden. das ist auch Fisch im Glas wenn er seine Runden dreht und regelmäßig gefüttert wird. Ob sie glücklich sind wollte ich wissen."
Und dann saß ich da und verstummte wie der Fisch im Glas.

Ich konnte die Frage nicht beantworten. Das störte mich und stört mich auch heute noch sehr. Wohl auch weil ich insgeheim weiß, dass ich in schlechten Phasen (und diese gibt es zur Zeit zu genüge alleine durch die Krankheit und durch die Trotzphase Missys bedingt) die Frage verneinen muss. Nach einem durchstrittenen Wochenende mit Kind und zwangsläufig oft dann auch mit Mann fühle ich mich oft wie der unglücklichste Mensch der Welt. Ich sehe oft kaum noch etwas Positives und frage mich abends zu oft wie schlimm wohl der nächste Tag werden wird. Das sind keine guten und und absolut keine glücklichen Gedanken/Gefühle.
Da ich also zur Zeit scheinbar nichtnicht gerad vor Glück sprühe habe ich mir ein Ziel gesetzt:
Ich suche das Glück. Ich muss wissen was es ist, wo es ist, wie man es konservieren kann. Sprich ich habe diesen Sommer zu meiner "Suche nach DEM Glück" auserkoren.
Ich habe vieles vor... es bleibt spannend. Mein Suchen und hoffentlich Finden dokumentiere ich auf diesem Blog.

Den Anfang macht ein alter Blog-Post (2008) der beweist dass ich schon früher über das Glück nachdachte. Viel Spaß beim Lesen in der Vergangenheit...:


Glück… tja, was ist eigentlich Glück? Dank Wikipedia und anderen Lexika kann man es nachschlagen und findet eine Fülle an Definitionen. Aber ist ja alles nur Theorie?!
Was macht glücklich? Wann sagt man von sich selbst man ist ein glücklicher Mensch? Eine Eigenschaft die mir bei Menschen oft begegnet ist eher dazu zu neigen, das Gegenteil zu bekunden. Unglück… wann ist man unglücklich und warum wird oft eher vom Unglücklich-Sein erzählt anstatt vom Glücklich-Sein? Ist das der typisch deutsche Pessimismus oder gibt es einfach kaum noch Glück von dem es sich zu erzählen lohnt? Eigentlich schade wenn’s so ist. Alleine die Vorstellung macht ja schon unglücklich…
Also wieder zurück zum Glück und der Frage danach. Wo findet man es denn? Im Supermarkt im Regal! Vor einigen Wochen für knapp 6 Euro von einer deutschen Handelsmarke, die ja wirklich alles vertreibt. So fand ich also zwischen Kaffee, Dessous und Küchenartikeln auch „Glück in Tüten“. Vierblättrige Kleeblätter, die in eine Tüte gesät werden und dann wachsen (sollen). Wenn das mal nicht pures Glück ist… ?? Hauptsache daran glauben? Guter Wille und ein gutes Händchen, dann klopft das Glück in grün an die Tür? Wenn die Samen denn keimen…
Was macht Glück wirklich zu Glück und was braucht man dazu?
- Liebe? (Noch ein abstrakter Begriff) Sicher, aber was ist dann mit denen die vielleicht gerade verlassen wurden? Sind sie dann automatisch keine Anwärter auf Glück mehr?
- Freunde? Sicher, aber was ist mit Menschen die gerade fremd in eine neue Stadt gezogen sind und noch niemanden haben?
- Gesundheit? Sicher, aber dazu muss man sich darüber bewusst sein.
- Einen Beruf? Sicher, aber glaubt man gewissen Blättern (und ich meine keine Kleeblätter) leben manche Menschen ohne Job recht glücklich…
Vielleicht ist das alles zu weit gefasst. Die kleinen Dinge? Ein Lied während einer Autofahrt, ein Abendessen, lachende Kinder sehen, ein Kuss am Morgen, ein Kuss am Abend, ein Telefonat mit einer Freundin, ein Punkt auf einer To-do-Liste abhaken…
Die großen Dinge wie Arbeit, Liebe und Gesundheit sind große Begriffe und werden vielleicht zu oft benutzt und abgenutzt, zu selbstverständlich. Und Selbstverständlichkeiten sind gewöhnlich und geraten zu schnell in Vergessenheit.
Dann wird das Glück vergessen, auch wenn man es meist schon längst hat… danach zu suchen kann unglücklich machen…
Vielleicht ist’s so einfach… man horcht in sich selbst hinein was einen glücklich macht, schließt die Augen und wenn man dann etwas sieht dass einen lächeln lässt hat man Glück.
Natürlich spricht trotzdem nichts dagegen auch mal 6 Euro auszugeben….

Freitag, 5. Juni 2015

Neu (finden)

Seit dem letzten Posting ist wohl ein wenig passiert. Das erwähnte deutliche Gespräch hat mich ordentlich zum Nachdenken gebracht und das war doch immerhin der größte Schritt in meiner bisherigen MS-Historie. Im brutalen Schnelldurchgang habe ich gelernt mich mit der Krankheit abzufinden. Dadurch wurde mir erst mal bewusst dass ich genau das in den 11 (!!) Jahren zuvor nie wirklich geschafft habe. Was hat mich dazu bewogen? Aktuell beispielsweise dass ich mich nicht so gut bewegen kann. Seit Ostern laufe ich je nach Stimungs-und Wetterlage mehr schlecht als recht. Meine rechte Hand krampft und die Handinnenflächen sind meist komplett taub. Die Fatigue (und tatsächlich wird es genau das sein) zwingt mich regelrecht dazu mich oft auszuruhen.
Seit Ostern... eine ganze Weile also schon. Noch vor kurzem hätte ich längst beim Neurologen auf der Matte gestanden mit Schubverdacht. Aber irgendwie ist es anders. Denn ich weiß dass manches eben einfach "da" ist. Das in den früheren Jahren wohl doch schon ein bisschen kaputt gegangen ist. So gehe ich jetzt halt einfach ein wenig langsamer und bedachter. Im wahrsten Sinn des Wortes. Der Gang zum Neurologen sollte man trotzdem nicht scheuen? Aber was soll er schon machen? Klar, Cortsion. Aber sonst? Mir nur wieder sagen dass ich halt nicht jünger werde? Dass ich mit meinen 11 Jahren MS halt eben jetzt an dem Punkt bin an dem ich sie spüren muss. Das schiebe ich mir noch ein wenig auf. Bis in 3 Wochen, denn da habe ich einen Termin bei einem anderen Neuro. Warum? Weil ich eben jetzt an dem Punkt bin an dem ich die MS spüre. Und weil ich andere Meinungen brauche. Weil ich mehr Unterstützung brauche. Weil ich nicht mehr nur die 0815-Patientin bin. Weil ich jetzt soweit bin mich mit sämtlichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Weil ich zu wenig gemacht habe in der Vergangenheit.
Was bedeutet das jetzt für die Zukunft? Neben dem eben genannten, dass ich die MS nicht totschweigen darf. Es ist eine Sache darüber zu schreiben... Reden kann ich darüber eher schwer. Vor kurzem war ich mit meinen Mädels weg und sie sprachen mich konkret darauf an. Und ich habe - so wurde es mir erst viel später bewusst - ich ehrlich darüber geredet. Und zum ersten Mal (!!) ohne dass mir die Tränen kamen.  Ein enormer Fortschritt für mich.
Weitere Konsequenzen? Sport machen sonst trage ich definitiv eine Teilschuld wenn ich irgendwann gar nicht mehr kann. Mich mehr mit lieben Freundinnen treffen. Gelassener werden, d.h. mich nicht zu viel ärgern. (Trotz)Phasen als das sehen was sie sind: Phasen. Und vorallem eins:
Ehrlich sein. Zu mir selbst. Ehrlich sehen was ich machen kann und wann ich um Hilfe bitten sollte.

Es waren emotionale harte Wochen seit Ostern. Selbst mit dem Informatiker habe ich nicht darüber gesprochen, denn zu viele Neusortierungen habe ich in meinem Kopf durchgenommen. "Jetzt muss du es auch nur noch umsetzen", wird er sich beim Lesen denken. Beim Leben in Gedanken wird es nicht bleiben. Zuviel steht auf dem Spiel.
Und nicht dass jemand denkt ich hätte meinen Frieden mit der MS gefunden. Den werde ich nie finden. Ich habe allerdings meine Wut und damit meinen Ansporn gefunden.

Donnerstag, 1. Januar 2015

Frohes neues altes Jahr

Und wieder ein neues Jahr. Wie habe ich es angefangen? Unspektakulär, nämlich in der hessischen Heimat. Am aufregendsten war es wohl für Missy, die dieses Silvester nämlich zum ersten Mal nicht verschlafen hat sondern aufwachte und ängstlich meinte: "Es brummt so laut". Also schaute man sich das Brummen gemeinsam an und das wars dann auch. Fragte man sie heute wie es ihr gefallen habe zuckte sie lediglich mit den Schultern.
Schulterzuckend sitze ich nun hier und überlege ob ich mir vielleicht etwas Kluges für das neue Jahr vornehmen sollte. Wahrscheinlich und besser sollte ich es mal gleich lassen. Blicke ich nämlich auf das letzte Jahr zurück muss ich erkennen dass da nicht viele Erträge zu erkennen sind von den "guten Vorsätzen". Man fragt sich ja leider doch immer mal wieder am Ende eines Jahres was man eigentlich unter dem Strich erreich hat.
"Bravo, du Pfeife", muss ich dann zu mir selbst sagen...
Das Kind erzieht man zu oft plan- und orientierungslos, zu oft verliert man sich in Vorwürfen wegen der Berufstätigkeit plus Kind, zu oft streitet man sich mit (mit sämtlichen Beteiligten in sämtlichen Lebenslagen) und zu oft nimmt man sich Dinge vor. Und das Schlimmste: Zu oft reflektiert man dass man eben jene wieder nicht umgesetzt hat, nur um sie sich erneut vorzunehmen und so weiter und so weiter. Der Mensch an sich ist schon wirklich doof oder vielleicht auch einfach nur faul. Ob jetzt das Eine oder das Andere schlimmer ist sei mal dahin gestellt.

Mein letztes Jahr? Da wollte ich doch alles anders machen als noch in Marburg. Mich selbst neu "machen". Mal anders auf Menschen wirken. Wie wirke ich jetzt nach 1,5 Jahren Karlsruhe? Reflektiert (haha) betrachtet wahrscheinlich zu oft überfordert, überspannt, nervös, traurig, zu ruhig. Beruflich klappt es ganz gut, laut Meinung des Informatikers stecke ich aber wohl wieder zu viel ein. Mache zu wenig den Mund auf, wehre mich zu wenig wenn es angebracht wäre. Kann man nun an dieser Außenwirkung noch etwas ändern oder muss ich wieder erst damit warten bis ich in eine neue fremde Stadt ziehe?
Himmel, noch nie habe ich weniger gewusst wer ich eigentlich bin als in diesem Jahr. Trotz Freunde, Missy und Informatiker bin ich verlorener als jemals zuvor. Ist wohl auch nicht sonderlich förderlich für Bekanntschaften und Beziehungen.
Man/ich versuche trotzdem immer wieder Besserung zu loben und es ist wohl auch nur dieser innere Schweinehund der überwunden werden müsste um endlich mal nicht nur zufrieden sondern GLÜCKLICH zu leben.
Man/Ehemann/Tochter/Freunde/Bekannte verzeihen mir bitte alle gesammelten Nachlässigkeiten in jedweder Beziehung. Es war nie so gemeint wie es vielleicht manchmal ankam.

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr. Darauf dass jeder sein Glück findet. Ich für meinen Teil wäre schon zufrieden wenn ich endlich mal sehen würde welches Glück bereits vor meinen Augen ist.



Dienstag, 8. Juli 2014

Eltern und der Kommunikationswahn

Kürzlich schrieb ein Freund über die Eigenheiten von Eltern, deren Neigung von ihren Minis in sämtlichen Einzelheiten zu berichten und dem damit einhergehenden Tunnelblick auf ihre Gesprächspartner. Tragisch kann ein solches Gespräch dann werden, wenn eben jenes Gegenüber selbst keine Kinder hat. Der Redepartner wird eventuell nicht mehr zum Partner und klingt sich gedanklich aus, ist manchmal entnervt. Ich kommentierte den Blog Artikel mit den Worten dass Menschen im Allgemeinen und Eltern im Speziellen nun einmal so seien. Soll heißen, dass jeder auf irgendeine Art kommunikativ ist und gerne von sich bzw. seinem "Steckenpferd" berichtet. Kinder eingeschlossen. Es ist doch immer das Persönliche, das was einen gerade im Moment freut, belastet, auslastet. Und dieses teilt der Mensch an sich gerne mit anderen. Manchmal/oft in bestimmten Lebenslagen ohne Rücksicht.
Um aber trotzdem eine Lanze für die "Genervtheit" bei eben jenen Gesprächspartnern zu brechen... Mir ging es ja genauso. Es hat mich nicht im Geringsten interessiert wann ein Kind von irgendwem krabbeln, lachen etc. konnte (Heute weiß ich natürlich dass sie erst lachen und dann krabbeln... falls nicht... arme Eltern). Ich wollte mich auch gar nicht großartig damit befassen. Weshalb auch? Was war ich gestresst als plötzlich alle um mich herum mit den Babys loslegten. Denn ab diesem Zeitpunkt gab es die Freundin nur noch mit Würmchen. Nicht mal in der Schwangerschaft habe ich mich mit übermäßigen Informationen versorgt. Ich versuchte mir wohl einzureden dass ich nur dann so bleiben kann wie ich war, wenn ich eben alles "Unnötige" ausblende. War rückblickend ein Fehler. Ohne darauf eingehen zu wollen denke ich mittlerweile dass mir ein bisschen mehr Interesse an meiner Baby-Umwelt von damals hätte helfen können. Es hätte mir den Einstieg leichter gemacht. Trotzdem verstehe ich ihn so sehr. Auch heute mit Kind ist es so, dass ich manche Einzelheiten anderer Minis nicht hören will.

Eine andere Lanze muss ich an dieser Stelle aber trotzdem noch brechen. Die für die Mutter, die möglichst alles über ihr Kind erzählen will, weil sie einfach stolz ist, manchmal aber auch verzweifelt und Trost braucht. Die für den Vater, der die standardmäßige Elternzeit von zwei Monaten nimmt. Natürlich wäre es wünschenswert wenn da noch mehr ginge. Tut es manchmal aber einfach nicht und unser Staat und die Arbeitgeber sind noch meilenweit davon entfernt, dass günstigere Bedingungen in Sicht wären.

Kurzum: Ich kenne beide Seite zu Genüge. Von Jeder trage ich etwas mit mir herum. Jeden Tag aufs Neue.


Anmerkung von der 100% Mama in mir: Ich selbst kann schrecklich sein wenn ich vor Stolz und Liebe über Missy platze...

Montag, 26. Mai 2014

Die "Irgendwers" und das Denken

Kürzlich fragte mich Irgendwer - alleine dessen Frage rechtfertig es zu Genüge dass ich mich partout nicht mehr daran erinnere wer Irgendwer war - wann ich plane in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Ich werde im August 33 Jahre alt....
Kürzlich wurde ich gefragt warum ich denn keinen Versetzungsantrag stelle wegen der täglichen 34km Strecke zur Arbeit.
Kürzlich fragte man mich warum ich überhaupt arbeiten würde. So mit Kind und Krankheit.

Kürzlich fragte ich mich ob ich vielleicht irgendwas falsch mache... Andere stellen Versetzungsanträge, andere setzen sämtlich Hebel in Bewegung um sich krankheitsbedingt möglichst schnell gen Ruhestand verabschieden zu können, andere fragen mir zu viel.
Ich selbst käme nicht auf die Idee mich versetzen zu lassen wegen der Fahrzeit. Mir gefällt es an der Schule und mir käme auch nie der Gedanke mich jetzt schon mit einer vorzeitigen Pensionierung zu befassen.
Und ich käme auch nie nie nie auf die Idee solche Bemerkungen gegenüber anderen zu äußern. Deshalb an dieser Stelle meine Antwort auf die Fragen der Irgendwers dieser Welt:

Überlasst mein Denken mir.

Will heißen, dass ich vielleicht nicht so lange wie andere arbeiten kann und deshalb das Jetzt ausnutze. Denn es kann auch schneller als ich denke anders aussehen. Niemand kann mir sagen wie schnell mein "Später" kommt und wie es aussieht. Was diesen Bereich betrifft darf ich nicht zu viel denken. Und wenn ich hier das Denken im gewissen Umfang ausschalte sollten sich nicht andere berufen fühlen es für mich übernehmen zu wollen. Meine Zukunft lebt schließlich auch niemand für mich...

Dienstag, 31. Dezember 2013

Rückblickslos

Das Jahr geht zu Ende und die Jahresrückblicke rennen mir quasi sämtliche Bildschirme ein. Überall lese und höre ich was das Jahr 2013 brachte, was toll war und was weniger toll. Und du denkst: Wow und ich war auch dabei. Na spitze. Ich hab es ja nicht so mit den Rückblicken. Zumindest was die am Ende des Jahres betrifft. Irgendwie lässt mich so was immer ziemlich zerknautscht aussehen. Man überlegt was man eigentlich alles für einen Mist gemacht hat, was man hätte anders machen sollen/wollen/können und was man gerne rückgängig machen würde. Kurzum: Ich komme vor mir selbst in meinen eigenen Rückblicken meist schlecht weg. Natürlich könnte ich trotz allem diesen Post mit erfreulichen und positiven Ereignissen von mir füllen, aber darum soll es hier und jetzt nicht gehen. Hier soll es jetzt mal um andere gehen, denen ich letztere Ereignisse zu verdanken habe... Im TV gibt es doch immer ganz besonders tolle Rückblick-Sendungen, nämlich die in deren Vordergrund die wichtigsten Personen des Jahres gewürdigt werden. Hier also meine eigene "Best of my year- Menschen Sendung" (ohne Werbung):

  • Meine Missy und meinen Informatiker, weil sie meine kleine Familie sind, ich sie beide liebe und sie mich beide auf ihre eigene Art und Weise zu Höchstleitungen bringen können.
  • Meine Freundinnen, weil ich sie so gern habe und sie mir den Karlsruhe-Einstieg leichter machen.
  • Meinen liebsten Freund aus Berlin, weil er immer ein offenes Ohr hat und so lustig ist.
  • Meine Familie, weil sie die Familie ist.
  • Meine Marburger Freunde, weil sie immer noch an mich denken.
  • Meine Blog Leser, weil sie mich anspornen zu schreiben.
  • Meine Schüler, weil ich mit jedem Schultag mehr weiß dass ich genau das sehr gerne mache.

DANKE euch allen! Ich wünsche einen guten Start in das neue Jahr!

Sonntag, 29. Dezember 2013

Was macht eigentlich...

... die MS?

Demnächst wird es ein Jahr seitdem ich die tolle Tablette nehme. Mein Fazit: Super. Keinerlei Nebenwirkungen, wunderbare Blutwerte, kein geschwächtes Immunsystem (was mir prophezeit wurde), und vor allem keinen (nennenswerten) Schub. In den ersten vier bis fünf Monaten kribbelte es mal hier und da vermehrter, allerdings regulieret sich das mit der Zeit. Ich würde also fast soweit gehen zu sagen, dass es mir gerade sehr gut geht. Gut, ich kann nicht unbedingt mehr soooo lange Spaziergänge machen ohne dass ich die MS merke. Würde ich aber endlich mal meinen Karteileichen-Status im Fitnessstudio ändern ... ähm...
Im neuen Jahr habe ich außerdem ein weiteres Jubiläum: Zwei Jahre schubfrei. Das hatte ich bislang einmal unter dem Vorgänger Medikament.

Also noch mal ganz genau auf den Anfang dieses Eintrags bezogen:
Was macht eigentlich die MS? NICHTS.

Und da ich ihr auch keinen großen Platz mehr in meinem Leben gebe, sollte ich diese schöne und erfreuliche Tradition nicht brechen. Es werden unweigerlich andere Zeiten kommen. Wie die aussehen ist mir gerade mal total egal. Deshalb wünsche ich für heute einen schönen sonnigen Sonntag :-)

Freitag, 27. Dezember 2013

Durchatmen

Weihnachten ist rum. Rückblickend war es so wie ein Familienweihnachten wohl eben ist. Familie, gepaart mit Geschenken ("Ich dachte wir schenken uns nichts??") und natürlich jeder Menge Essen. Wie jedes Jahr, aber dieses mal doch anders. Zum ersten Mal seit langer Zeit bin ich an den Feiertagen absolut entspannt. Nicht dass es in den vergangenen Jahren hektisch und stressig war, nein, am Ablauf hat sich nur wenig geändert. Ich habe mich auf meinen kleinen Urlaub bei der Familie sehr gefreut. Weil ich einfach mal "raus komme". Aus was? Aus einem kleinen Teil von Allem. Missy verbringt viel Zeit mit den Großeltern und ich sehe zu oder mache einfach absolut nichts. Ich rede und lache viel mit meiner von Liebeskummer geplagten Schwester und erhole mich schlicht vom Dezember und irgendwie auch von der ganzen letzten Zeit. Der Monat war nicht unbedingt mein bester, da sich relativ nahtlos an die Magen und Darm Grippe eine richtige Grippe und danach eine Bronchitis anschloss. Zum ersten Mal seit einem Jahr war ich der Ansteckungsherd für den Rest der Mini-Familie, sehr zum Leidwesen des männlichen Parts, der wie jedes Jahr um diese Zeit seine Computer Tage in Hamburg verbringt. Die Stimmung sank mit jedem Husten und Niesen immer mehr in den Keller, so dass jeder (und zwar wirklich jeder) froh war mal eine Zeit für sich alleine schniefen zu können. Also verbringe ich meine Zeit hier wie in alten Zeiten in alten Kinderzimmern, mit den gleichen Brötchen, dem gleichen Käse, dem gleichen krähenden Hahn, den gleichen streitenden Nachbarn und selbst den gleichen Spielsachen aus Kinderzeiten. Und ich atme durch, weil ich merke dass es dringend notwendig war. Man/ich denke im Allgemeinen zu viel und manchmal zu komplex nach, so dass es mir in manchen Situationen zum Nachteil wird. Wie Frauen das halt nun mal so machen. Sie/ich vergessen sich selbst und stellen Grübeleien über ihre/meine eigene Intuition. Zu oft habe ich mich selbst in Frage gestellt... als Mama, als (Ehe-)Frau, als Freundin, als Lehrerin. Das liegt in der Regel nicht an äußeren/anderen Umständen/Menschen sondern wohl eher in meiner Natur. Aus der kann man nicht so ohne Weiteres raus. Kommen dann neue Umstände in Form einer kleinen blonden Missy, einem Umzug, etc. hinzu, fördert das nun mal eben diese Natur. Der Informatiker sagte vor kurzem er habe sich grundlegend verändert. Das habe ich auch, meinte ich daraufhin und merkte dass genau Dieses mir erst seit kurzer Zeit wirklich bewusst wird. Man glaubt ja immer es ändere sich nichts... Bis ich bei einem Spaziergang mit meiner Schwägerin in spe diesen abgedroschenen Satz "Es wird alles komplett anders mit Kind" sagte. Sie schaute mich ähnlich amüsiert, schockiert, verdutzt und zweifelnd an wie ich es noch vor zwei Jahren getan hätte. Bevor sich alles anfing wie ein Karussell zu drehen und das gesamte vorherige Leben durcheinander wirbelte. Den größten dieser Wirbelwinde will man nicht mehr missen müssen, aber dass es so lange dauern kann bis man die Geschwindigkeit des Karussells in den Griff bekommt ahnte ich nicht im Geringsten. Also atme ich tief durch und drossle wenigstens mein Kopfkarussell. In der Hoffnung auf gutes Gelingen und meinen persönlichen guten Start ins neue Jahr.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Heim

Morgen fahren der Informatiker, Missy und ich über das Wochenende nach Marburg. Das letzte Mal war ich im Sommer dort. Allerdings nur für einen Nachmittag um meine (und Missys) Mädels zu treffen. War mehr oder weniger eine recht chaotische Angelegenheit, was vielleicht auch ein wenig an der extremen Hitze lag.
Das nächste Mal, so schwor ich mir damals, wird anders angegangen. Und zumindest die Temperaturen werden uns dieses Mal nicht ausbremsen. Wir haben sogar eine - so hoffe ich - nette Unterkunft, nämlich ein kleines Häuschen im ehemaligen Wohnörtchen. "Das ist doch mal ein Gag", meinte der Informatiker aber ich sehe das Ganze ein wenig skeptischer. Nicht wegen des Häuschens oder dem Ort, herjeh nein. Ich freue mich auch wie ein kleines Kind auf unseren Kurzurlaub, darauf dass wir liebe Freunde treffen, durch die Stadt schlendern und in Erinnerungen schwelgen werden. Leider ahne ich jetzt schon dass mir genau DAS zum Verhängnis werden kann. Mir wird teilweise bewusst, teilweise unbewusst vor Augen geführt werden welches Leben ich früher hatte. Welche Freunde und Angewohnheiten ich zurückgelassen habe. Marburg war nicht nur ein Lebensabschnitt, es war irgendwie mein Leben. Ich habe dort bzw. in der Nachbarstadt studiert, mein Referendariat gemacht, meine erste Wohnung gehabt, gearbeitet, gelitten, gelacht, geweint, große und manchmal auch tragische Freundschaften gehabt, geheiratet, mein Kind bekommen. Gelebt eben. Natürlich betone ich auch immer wieder, dass ein Aufbruch und Neuanfang sein musste, dass es mir gut getan hat. Wahrscheinlich würde ich auch nicht mehr zurück gehen wollen, selbst wenn die Möglichkeit bestände. Trotzdem wird es seltsam werden morgen dieses alte Leben zu besuchen. Im günstigen Fall werde ich das Wochenende schlussendlich als nicht anderes sehen: Einen Besuch. Ein Sightseeing Trip um den unbedingt notwendigen Abstand komplett zu bekommen. Um zu 100% festzustellen dass ich mich von Grund auf verändert habe.

Die Erkenntnis dass man sich verändert hat traf uns gestern Abend übrigens wie ein Schlag, denn wir schauten "Kevin allein in NY" und waren zum ersten Mal fast entsetzt über die die "Hau-drauf-Szenen" und dass der Film ein Kinderfilm ist. Himmel sind wir Spießer geworden. Eltern eben...

Montag, 9. Dezember 2013

Phasen

Ich hatte in meiner Schwangerschaft zwei Ratgeber. Den einen mit schönen Bildchen und netten Infos und Tipps und den anderen in Roman-Form. Also nicht wirklich ein Ratgeber. Schwiegermama und Hebamme rieten mir dringlichst davon ab mich zu viel zu informieren. Also war ich (relativ) brav und habe diesen Rat befolgt. Ich hatte ohnehin andere Sorgen in dieser Zeit als mir über eventuelle Sorgen in der Nachschwangerschaft zu machen. Mag ein Fehler gewesen sein, ist aber nicht mehr zu ändern. Als Missy dann nämlich da war überrannten uns genau diese Sorgen. Koliken, Geschrei, Gebrüll, zahlreiche Besuche bei Osteopathen, alles gekoppelt mit (m)einer recht instabilen gesundheitlichen Verfassung. In dieser Phase habe ich wirklich sämtliche unbrauchbaren Tipps ausprobiert. Ich bezweifle dass irgendetwas davon einen Nutzen hatte, denn irgendwann wurde es dann (wie von alleine) ruhiger. Bücher in denen die Entwicklungsschübe beschrieben werden habe ich immer gemieden. Wahrscheinlich zum einen weil mir eben die Hebamme davon abriet und meinte, Missy würde auch ohne groß werden. Ich vermute dass sie mich schon damals besser einschätzen konnte als ich mich selbst und schlichtweg die Gefahr sah, dass ich mich zu sehr an irgendeine Erklärung klammern würde und im Endeffekt frustriert sei, da es "immer anders komme als man denkt und liest". Ich bin ihr rückblickend dankbar dafür. Sie hatte wohl recht damit. Auch heute noch kommen mir Erklärungen wie "Sie schläft halt schlecht weil sie einen Wachstumsschub hat", "Sie ist motzig weil sie einen Entwicklungsschub hat" oder dergleichen selten bis nie über die Lippen. Die Bezeichnung "Schub" würde ich sowieso nie nie nie im Zusammenhang mit meiner Missy verwenden. Aber das auch aus bekannten Gründen. Freundinnen lasen/lesen in zahlreichen Entwicklungsbüchern und wissen ganz genau wann die Kinder wachsen, wann es besonders anstrengend sei kann, wann welcher Zahn kommt etc. Ich verstehe dass es einem helfen kann indem man vielleicht besser vorbereitet ist, aber schlussendlich kommt der Zahn dann doch einfach wann und vor allem wie er will. Ich bin glücklicherweise Mama von einem sehr stressfrei zahnenden Kind - mit Ausnahme der letzten Backenzähne, um dann doch auch mal ein Zugeständnis zu machen - und kann mich auch über die Nächte und Missys generelles Schlafverhalten absolut nicht beschweren. Das macht es dem Informatiker und mir natürlich einfacher. Trotzdem frage ich mich manchmal ob ich doch mehr lesen sollte weil ich mir das ganze vielleicht zu einfach mache. Dann wiederum bin ich der Meinung dass "mein Ding" ja nicht so verkehrt sein kann. Natürlich häufen sich auch bei uns die Wut und Trotzanfälle und ich lese, dass es ganz normal ist und man und Kind da einfach durch muss. Hätte ich aber auch davor gewusst oder zumindest erahnt. In diesen Momenten weiß ich dann auch doch wieder dass ich einen recht guten und verlässlichen Instinkt habe. Und so verkehrt kann das nicht sein. Hat schließlich meine Hebamme gesagt und das steht in meinem Kleinkind Entwicklungsbuch :-)

Montag, 2. Dezember 2013

Hobbykram

"Haha, jetzt bist du wirklich wie so eine Klischee Mama!" sagte man mir vor einiger Zeit. An meine Reaktion erinnere ich mich nicht mehr, nur noch an das zustimmende Lachen des Informatikers der das Gespräch mitbekam. An den Grund kann ich mich dagegen nocht sehr gut erinnern. Ich hatte kurz vorher mit dem Nähen angefangen. Bekam sogar eine Nähmaschine geschenkt inklusive diverser Nähbücher und anderer Utensilien. Ich muss dazu sagen, dass das Nähen in meiner Familie sehr beliebt ist. Als Kind hatten sogar meine sämtlichen Puppen selbstgenähte Röcke etc. Umso glücklicher waren dann sowohl meine Oma als auch meine Mutter als sie mitbekamen dass ich mich ebenfalls daran versuchte. Der Informatiker warnte ziemlich zügig vor zu viel - in seinen Augen unnützem - Materialkauf, da ich "es sowieso schnell wieder aufgeben würde. Warum er das sagte? Ein kurzer Rückblick auf meinen bisherigen Hobbies in Bildern...

 Um 2005 herum begann ich das Malen. Es machte mir unheimlich viel Spaß und ich produzierte einige Bilder. Kaum ein Familiengeburtstag verging ohne dass ich ein Bild verschenkte. Ich steckte  viel Engergie und auch Geld in dieses Hobby. In dieser Zeit stand ich kurz vor dem Referendariat bzw. war mitten drin. Leider waren genau diese Jahre geprägt von einem Aufblühen der MS. Es ging mir nie schlechter als in diesen zwei bis drei Jahren. Irgendwann gen Ende der Prüfungen schlief das Hobby leise ein. Als das Referendariat beendet war versuchte ich mich wieder daran, ließ es dann aber defevinitiv und bestimmt sterben. Zu viele schlechte Erinnerungen waren damit verbunden.
 Eine Weile war ich relativ lange "hobby-los".


Abgesehen von regelmäßigen Fitnessstudio Besuchen. Hier konnte ich absolut abschalten und ließ alles was auch nur den Hauch von Stress bedeutete außen vor. Mit der Schwangerschaft und der langen Krankphase musste ich das irgendwann drosseln und mit dem Umzug schließlich aufgeben. In Karlsruhe bin ich zwar mittlerweile wieder Mitglied in einem Fitnessstudio, aber... naja... Ich kämpfe mit dem inneren Schweinehund.

Wie ich zum Ketten-basteln kam weiß ich gar nicht mehr. Ich glaube fast ich tippte "Hobby" bei einem Internetversandhandel ein und mir wurden diverse Ketten-Bastelbücher vorgeschlagen. Ich mochte die schönen Perlen. Also ging ich das Ganze an. Machte sehr viel Spaß und ich hatte irgendwann zu sämtlichen Pullis eine passende Kette. Auch hier war die Familien-Versorgung gut angelaufen. Meine Mutter trägt tatsächlich bei allen Besuchen eine Kette von mir. Ich vermute jedoch, dass sie es nur tut weil Mütter so etwas machen. Ich habe schließlich auch ein Bild von Missy am Kühlschrank hängen... Mit dem Umzug verlor ich dieses Hobby aus den Augen. Hin und wieder packt es mich dann aber doch und ich verarbeite meine Unmengen an Perlchen die so schöne Farben haben.
Und dann kam das Nähen. Warum? Weil ich so viele Mütter kennenlernte und von solchen hörte, die für ihren Nachwuchs einfach alles nähten. Mützen, T-Shirts, Kleidchen und Stofftiere. "Kann nicht so schwer sein," dachte ich mir und begann zuerst klein. Nämlich mit der Hand. Plüschtierchen. In den Büchern die ich kaufte sahen sie einfach zu süß aus. In den Büchern... Irgendwann bekamen meine Großeltern das Ganze mit und prompt schenkte mir mein Opa eine nagelneue Nähmaschine. Ich kaufte einiges an Stoffen weil sie allesamt zu schön aussahen. Mittlerweile bin ich leider der Überzeugung, dass sie das aber am längsten tun wenn ich sie so lasse wie ich sie gekauft habe. Die Stofftierchen werden von Missy meist direkt irgendwo hin geworfen und vom Informatiker nie als das erkannt was es sein soll.
Zur Zeit mache ich mal hier und mal da was. Mal nähe ich, mal mache ich eine Kette. Aber so richtig bei einer einzigen Sache bin ich nicht. Mal schauen was als nächstes kommt...





Mittwoch, 13. November 2013

Wenn die Kraniche fliegen oder „Ver***... Heimweh“

Ich habe da so einen Spleen. Schon seit Jahren und ich will ihn auch nicht missen müssen. Jedes Jahr im Frühling und Herbst warte ich auf die Kraniche. In Marburg konnte ich sie regelmäßig an mehreren Tagen heim- bzw. wegfliegen sehen. Das hatte etwas Beständiges für mich und ich freute mich beständig darüber. Weiß der Geier  bzw. Kranich warum. Es gehörte halt dazu und ich schaute sie so unheimlich gerne an, vor allem im Herbst in der Stadt bei Dämmerung. Im Hintergrund das Marburger Schloss mit der Oberstadt, die Lichter, die beginnende Kälte und die Menschen die in den Himmel schauten. Das alles war perfekt.
Nach Karlsruhe zogen wir im April. Die Kraniche sah ich in Marburg nicht mehr. Als ich vor knapp zwei Wochen in der Heimat war erzählte mir mein Vater von den großen Schwärmen die er in diesen Tagen gesehen hatte. Ich bekam davon nichts mit.

Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit bemerkte ich seit kurzem an der immer gleichen Stelle vereinzelt Kraniche alleine stehen. Aber ich sah und hörte abends einfach keine fliegen. Waren wohl ein paar arme Socken die den Abflug nicht mitbekommen haben, dachte ich mir. Das versuchte Schmunzeln misslang mir. „Vielleicht liegt Karlsruhe einfach nicht auf ihrer Flugroute“, versuchte man mich aufzuheitern. Auch das misslang und ich fragte mich mal wieder mehr ob ich mich hier jemals zu Hause fühlen kann. Im Auto lege ich seit einigen Tagen alte Musik CDs ein und hänge mehr denn je dem Vergangenen hinterher. Obwohl ich hier „Fuß gefasst habe“ und eigentlich rundum zufrieden sein sollte. Vielleicht hoffte ich gerade deshalb so auf die Kraniche. „Wenn ich sie fliegen sehe, dann bin ich zu Hause“, dachte ich mir. Gestern Abend setzte ich mich auf die Couch und schaute planlos im Wohnzimmer herum. Plötzlich waren sie da. Raus auf dem Balkon, sehen konnte ich sie nicht, dafür war es bereits zu dunkel aber deutlich hören. Nachdem ich es dem Informatiker erzählt hatte und demonstrativ das Fenster öffnete, setze ich mich wieder auf die Couch. Und jetzt? Zuhause-Gefühle besser? Nein. Das Marburger Schloss fehlt. Und die Lichter. Und die Oberstadt. Und das Lebensgefühl das ich dort hatte. Ich fürchte fast dass das mit den Kranichen nur entfernt zu tun hat... Ich brauche wohl für Karlsruhe etwas anderes. 

By the way: Das war nicht der angekündigte Eintrag. Den gibts dann vielleicht morgen oder übermorgen...

Montag, 21. Oktober 2013

„Und?“ Serie?“


Wenn man schon eine Weile zusammen ist, dann hat man irgendwann eben genau das was man im Anfangsstadium noch als schrecklich und spießig abgetan hat. Man wird „normal“ oder eben noch „normaler“. Manchmal ist das auch gleichzusetzen mit langweilig und/oder spießig. Und es trifft über kurz oder lang (fast) jeden. Der Informatiker und ich haben jetzt schon satte 13 Jahre auf dem Buckel und planen, wie ja auch (fast) jeder noch ein paar Weitere. Die rosa Wölkchen Phase haben wir also durch. Vor einigen Tagen stellte ich dann – mal wieder- fest, dass unsere Abende ja doch immer gleich ablaufen und wir saßen schlussendlich schulterzuckend auf der Couch weil uns nichts einfiel was wir anders machen könnten.
Unser Abend sieht von Montag bis Samstag folgendermaßen aus: Missy wird um 19 Uhr ins Bett gebracht und schläft daraufhin in der Regel sofort ein und meldet sich vor dem Ablauf ihrer 12-13 Stunden Schlummerzeit nicht mehr. Nun macht jeder seinen Kram für sich und man trifft sich anschließend gegen ca. 20 Uhr auf der Couch. Der Informatiker holt die Fernbedienungen und meint: „Und? Serie?“. Sonntags stellt sich die Frage nie, es sei denn es kommt ein Polizeiruf. Ansonsten schaut Familie Normalo "Tatort". So wie es sich eben gehört. Alles ziemlich vorhersehbar.
„Was machen denn andere Paare so?“, frage ich also in der Hoffnung dass dem Informatiker dieses Mal vielleicht irgendein interessantes Paar untergekommen ist, was „anders“ ist. Das letzte Mal dass ich ein solches Gespräch angefangen habe ist immerhin schon drei Wochen her. Mindestens! Er habe halt kaum Eltern im Kollegenkreis meint er. Hatte er vor drei Wochen auch schon nicht. Hm. Und nur diese Gruppe könnten wir bei meiner Frage berücksichtigen. Hat er wohl recht, denn kinderlose Paare können spontan sein. Abends mal zügig in die Karibik fliegen und so was. Meine Kolleginnen (schon wieder nur Frauen an der Grundschule...) sind alle entweder älter, geschieden oder arbeiten laut eigener Aussage nach Schulschluss bis Schulbeginn am nächsten Morgen durch. Ich behaupte also, dass auch ich niemanden für neue und andere Abendbeschäftigungsideen beisteuern kann. Hm.
Nichts gegen die Serien die wir schauen, aber sind wir jetzt schon so alt, dass uns nicht mal mehr etwas anderes einfällt? Früher haben wir hin und wieder ein Computerspiel zusammen gespielt, aber das fand er dann irgendwann langweilig weil ich mehr damit beschäftigt war schöne Häuschen zu bauen und die süßen Schafe zu sammeln. Sprich das Spiel war meist nach zehn Minuten fertig und meine Schafe kaputt L

„Ich blogge da mal drüber,“ meinte ich zum Abschluss des Gesprächs, das eigentlich gar keins war, in der Hoffnung dass meine lieben Leser dem Normalo-Pärchen mehr Inhalt für die nächste Diskussion in drei Wochen geben...?!? ;-)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Definitionssache

Es gibt schönere Termine als sie: Die Arzttermine, genauer die Neuro-Kontroll-Termine. Zu Infusionszeiten ging ich alle vier Wochen ins Klinikum mit Kindle  und Schokolade in der Tasche, ließ mir Blut abnehmen, bekam irgendwann mein OK und die damit verbundene Infusion. Knappe fünf Stunden gehörten nur mir alleine und mit der Zeit lernte ich sogar die anderen Patienten und ihre „Horror-Geschichten“ auszublenden. Hin und wieder kam auch mal ein Arzt vorbei und man hielt ein nettes Schwätzchen. Ein paar Stunden danach fühlte ich mich zwar oft als sei ich vor einen LKW gelaufen aber auch das hatte etwas Beständiges.
Da diese Zeiten aber nun vorbei sind und sich meine „Beschäftigung“ mit der MS nur noch auf morgens beschränkt und das auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, während des Einnehmens meiner Tablette, bin ich jetzt gezwungen alle drei Monate zur Kontrolle beim Neurologen vorstellig zu werden. Dies war dann gestern Nachmittag der Fall. Ein sehr netter und wie ich finde kompetenter Arzt. Ein wenig zu redselig aber gut. Nach einer Stunde warten (Verweis auf den letzten Satz!) durfte ich dann eintreten. „Wie geht’s?“, fragte er mich und ich antwortete dass es mir gut gehe. Darüber freue er sich. Es folgte ein Durchfragen sämtlicher Symptome die man unter MS entwickeln kann und ich verneinte oder gab an dass es hin und wieder (ich erwähnte wohl eine Zeitspanne wie ich später bemerkte) mal da und dort kribbeln würde etc., das Ganze aber nicht wirklich wahrnehmen würde. Schweigen. Weitere Fragen. Untersuchung. Schweigen. „Was ist mit ihrem Auge?“, fragte er. „Ach nichts weiter. Es zuckt seit ein paar Tagen hin und wieder. Wahrscheinlich weil ich im Moment nicht so gut schlafe. Passiert.“ Schweigen. Untersuchung. Er will es filmen. FILMEN? Geht’s noch? Er habe darüber mal eine Veröffentlichung gemacht. Ja toll, dachte ich mir. Ich soll mich wieder setzen und er schaut mich wieder so „Arztmäßig“ an. Ja, Himmel jetzt rede doch mal mit mir. Da zuckt mein Auge ja noch mehr wenn das so weiter geht. Es würde mir nicht gefallen was er mir jetzt sagen würde aber es sei leider kein Stress-Zucken und vor allem in Kombination mit den Symptomen die ich seit 2-3 Wochen hätte, deute alles laut Definition eines solchen auf einen Schub hin. PENG. Jetzt schwieg ich. Kann doch nicht sein. Ich habe immer mal Phasen in denen es mir kurz schwindelig ist etc. aber deshalb gleich ein Schub? Ich hatte seit 19 Monaten keinen mehr. „Frau S.?“, fragte er, „alles ok?“ Was soll man darauf sagen? Ich fragte nach dem Vorgehen und er schlug Cortison vor was ich noch während des Aussprechens dieses Wortes verneinte. Nicht wegen einem zuckenden Auge und den anderen Kleinigkeiten. Ich musste ihm versprechen dass ich umgehend zu ihm käme falls es mir schlecht gehen würde. Ich versprach es und fuhr nach Hause.

Nach nun knapp 24 Stunden Abstand und unzählichen Gedankenfahrten im MS-Karussell habe ich für mich beschlossen dass ein Schub jetzt einfach nicht zur Debatte steht und ich alles überhaupt nicht wahrgenommen und als solchen definiert hätte, wäre der Termin nicht gewesen. Und genau das ist mein bislang größter Sieg und Erfolg in meiner ganzen MS-Laufbahn. Es einfach nicht bemerkt und beachtet zu haben.